Markttechnik 2.0 - Profitieren Sie vom Zusammenspiel der Zeiteinheiten

Zeiteinheiten

Sind Sie lästiges Antriggern, das Abfischen Ihrer Orders und Fehlausbrüche leid? Mit der hier vorgestellten Strategie können Sie den Handel der aus der Markttechnik bekannten 1-2-3-Formation deutlich verbessern und so Verlust-Trades minimieren. Unter Zuhilfenahme der Zeiteinheiten und des Wissens um deren Zusammenspiel können Sie Ihren Einstieg optimieren und mit näher am Markt liegenden Stopp-Loss-Techniken noch erfolgreicher arbeiten.

1-2-3-Ausbrüche klassisch – eine kurze Erklärung

Zunächst eine kurze Vorstellung der Grundlagen des klassischen 1-2-3-Ausbruchshandels, so wie diese in Michaels Voigt Buch „Das große Buch der Markttechnik“ beschrieben werden Nach Voigt definiert sich das wohl wichtigste Objekt der Markttechnik, nämlich der Trend, anhand des Kursverlaufs in den typischen Progressions- und Regressionsphasen, also in den zickzackartigen Auf- und Abwärtsbewegungen der Märkte. Die Progression stellt hierbei die Bewegung in die Hauptrichtung des Trends dar, die Regression korrigiert diese.

Markttechnik handeln nach M. Voigt

Wir unterscheiden zwischen Aufwärts- und Abwärtstrends. Im Aufwärtstrend folgen höhere Hoch- und Tiefpunkte aufeinander, der Abwärtstrend definiert sich durch fallende Maxima und Minima. Seitwärtstrends oder auch trendlose Marktphasen dürfen wir dabei nicht außer Acht lassen. Diese definieren sich durch keine eindeutigen neuen Höchst- und Tiefstkurse und bilden oftmals eine Handelsspanne.

Die Trendzählung – das 1-2-3 entsteht

Auch die aufeinanderfolgende Zählung der im Chart entstehenden Extrempunkte stammt aus der Markttechnik. In der Hauptvariante gibt es die Punkte 1, 2 und 3. Bei Punkt 1 entsteht der Trend, bei Punkt 2 erreicht er im Aufwärtstrend ein temporäres Hoch und im Abwärtstrend ein Tief. Punkt 3 stellt schließlich das Maximum der Korrektur dar. Solange der Trend intakt ist, wird die Zählung mit den Punkten 2 und 3 fortgesetzt. Erst bei einem Trendwechsel entsteht ein neuer Punkt 1. Hierbei ist es wichtig, Punkt 2 nicht voreilig einzutragen; er ist erst endgültig gegeben, wenn auch ein nachfolgender Punkt 3 lokalisiert werden konnte.

Die eindeutige Bestimmung der Hoch- und Tiefpunkte im Chart ist nicht immer einfach, aber elementar wichtig. Die Fähigkeit eines Händlers, die aktuelle Marktphase zu erkennen, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg seines Tuns. Nur wer mit hoher Sicherheit ermitteln kann, wo sich der Markt gerade befindet, kann erfolgreich handeln.


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Der klassische Handelsverlauf

Im klassischen Handelsverlauf erfolgt die Eröffnung einer Position beim Überschreiten von Punkt 2. Dies kann unabhängig von der Zeiteinheit und dem gehandelten Wert geschehen. Der Trader hoff t dabei auf einen prozyklischen, also trendfolgenden, Verlauf des Wertes und möchte von der entstehenden Bewegung profitieren.

Probleme beim klassischen 1-2-3-Handel

Die statistische Erfolgswahrscheinlichkeit beim klassischen Ausbruchshandel liegt bei 64 Prozent. Die restlichen 36 Prozent erweisen sich als nicht nachhaltige Fehlausbrüche und würden somit zu direkten Verlusten führen. Beachten Sie dabei auch, dass die Erfolgsquote nur realisierbar wäre,
wenn Sie jeden der Ausbrüche auch durchweg handeln würden. Doch ohne vollautomatisiertes Handelssystem ist dies kaum möglich.

Das kurze Überschreiten von Extrempunkten wird im Wertpapierhandel umgangssprachlich auch „Antriggern“ genannt. Die Marktteilnehmer testen dabei die relevanten Niveaus an, um zuerst einmal sehen zu können, welche Orders im Markt liegen und ob die Investoren der Gegenseite bereit sind, das Level zu verteidigen. Bulle und Bär treffen hier direkt aufeinander, vermeiden jedoch oft die Auseinandersetzung, ohne vorab die gegnerischen Kräfte einschätzen zu können. Da die Einsicht ins Orderbuch begrenzt ist, müssen die Hoch- und Tiefpunkte vom Markt berührt werden, um darüber hinaus Aussagen treffen zu können. Als weiterhin problematisch kann sich der weit entfernte Stopp-Loss der klassischen Handelsstrategie erweisen (siehe Bild 1). Dieser liegt innerhalb eines Aufwärtstrends unter dem jüngsten Bewegungstief. Dieses kann jedoch unter Umständen weit entfernt vom Einstiegskurs sein und somit Ihr Chance/Risiko-Verhältnis (CRV) deutlich eintrüben und Ihre Trade-Frequenz mit einem kleinen Depotkonto – unter Anwendung eines sinnvollen Risiko-Managements – gegen Null tendieren lassen.

Bild 1: Klassische 1-2-3-Formation

Bild 1: Klassische 1-2-3-Formation

Bild 1: zeigt einen Aufwärtstrend mit 1-2-3-Zählung sowie mit einem klassischen Einstieg und initialen Stopp-Loss nach Markttechnik (R = Risiko).

Die Lösung: 1-2-3-Ausbrüche Variante 2.0

Nehmen wir an, Sie vertrauen nicht auf 64 Prozent statistische Erfolgsaussichten und suchen nach einer verbesserten Technik, um an den meist großen Kursbewegungen der 1-2-3-Ausbrüche zu partizipieren. Die Lösung ist genauso effektiv wie simpel: Zoomen Sie in den Trendverlauf der untergeordneten Zeiteinheit und suchen Sie dort nach einem kleinen Punkt 2 in räumlicher Nähe zum großen Punkt 2.

Warum funktioniert das besser?

Der Ausbruchshandel und die dadurch entstehende Bewegungsenergie in der untergeordneten Zeiteinheit schieben den betrachteten Wert in den nahe liegenden großen Punkt 2 aus der übergeordneten Zeiteinheit hinein (Bild 2). Dadurch entsteht mit hoher Wahrscheinlichkeit der nächste, beschleunigte Ausbruch. Das Antesten der Marktteilnehmer wird somit fast unmöglich und der Ausbruch verläuft deutlich dynamischer. Viele Händler arbeiten mit den gleichen Handelsansätzen, da sich diese historisch betrachtet am besten bewährt haben. Ausbrüche über einen Punkt 2 fi nden jedoch in jeder Zeiteinheit statt. Große Trends setzen sich aus kleinen zusammen. Je weiter Sie in Ihre Charts hinein zoomen, desto genauer können Sie diese erkennen. Selbst im Tick-Chart wechseln sich Hoch- und Tiefpunkte ab und ein nahezu regelmäßiges „Zick-Zack“ ist zu erkennen. Sie müssen nur nach einem kleinen Punkt 2 suchen, der den Ausbruchshandel eines großen Punktes 2 „auslösen“ könnte.

Bild 2: Progressions- und Regressionsphasen

Bild 2: Progressions- und Regressionsphasen

Bild 2 zeigt den übergeordneten Trendverlauf (rot) mit den untergeordneten Progressions- und Regressionsphasen (blau). Der Einstieg erfolgt beim Überschreiten des kleinen Punktes 2. Das Risiko (R) ist deutlich geringer als bei Verwendung des großen Punktes 3 als Stopp-Marke.


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Weniger Risiko „am Markt“ und „im Geld“

In der hier vorgestellten Variante eröffnen Sie die Position aufgrund eines in der untergeordneten Zeiteinheit erkannten einen Durchbruch im „Big Picture“ hinfällig und der Trade muss aufgegeben werden. Der Vorteil hierbei ist jedoch, dass der kleine Punkt 3 viel weiter am Einstandslevel liegt als der Punkt 3 der übergeordneten Zeiteinheit. Das Risiko wird so deutlich minimiert, was Ihnen bei einem sinnvollen Money-Management, zum Beispiel ein Prozent vom Depotwert, eine größere Positionsgröße erlaubt. Ihre Chance beziehungsweise der zu erwartende Gewinn für diesen
Trade wird jedoch aus dem „Big Picture“ ermittelt. Durch den optimierten Einstieg und das damit generierte, geringere Risiko aus der untergeordneten Zeiteinheit erhöht sich das Verhältnis zwischen beiden Faktoren deutlich zu Ihren Gunsten. Zwar verringert sich zugleich die Trefferquote durch den engeren Stopp, aber insgesamt bringt diese Technik aufgrund des deutlich höheren CRVs dem Trader einen Vorteil.

Räumliche Nähe – was heißt das konkret?

Die räumliche Nähe lässt sich leider nicht auf den Punkt oder Pip genau bestimmen und bedarf daher einiger Handelserfahrung. Jeder Wert zeigt im Chartverlauf und in den Zeitebenen eigene Charakterzüge. Diese zeigen sich anhand der Historie. Bei regelmäßiger Anwendung werden Sie einen „Sinn“ dafür entwickeln können. Vergleichen Sie die „normalen“ Bewegungen im Chart und ermitteln Sie so vergleichbare Abstände. Mit einiger Erfahrung können Sie Mindest- und Maximalabstände für Ihr Setup definieren oder diese über Backtest-Verfahren ermitteln.

Traden wie Michael Voigt

Der Einstieg

Das Vorhandensein eines Trends ist zwingende Bedingung für die Anwendung dieser Strategie. Trendstärke lässt sich meist in hochliquiden Werten, wie Indizes, dem Rentenmarkt (Bund-Future) oder Blue Chips, beobachten. Auch der Währungshandel eignet sich perfekt für unser Handels-Setup. Nebenwerte taxieren dagegen häufig eher sprunghaft volatil und eignen sich daher besser für andere Strategien.

Grundsätzlich erfolgt der Einstieg direkt nach Über- beziehungsweise Unterschreiten des kleinen Punktes 2. Halten Sie jedoch einen Sicherheitsabstand zum Markt. Durch das normale „Marktrauschen“ sollten Sie nicht direkt an Punkt 2 einsteigen, sondern mit etwas Abstand zu diesem. Im DAX sollten dies mindestens zwei bis drei Punkte sein.


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Der Ausstieg

Der Ausstieg erfolgt entweder durch das Erreichen des Stopp-Loss, Ihres Kursziels oder durch manuelles Glattstellen der Position. Auch hier gilt es, das allgemeine „Marktrauschen“ zu berücksichtigen. Beachten Sie bei der Kurszielbestimmung und somit dem geplanten Ausstieg mit maximal wahrscheinlichem Gewinn, dass Sie die untergeordnete Zeiteinheit nur zum Einstieg und zur initialen Stopp-Loss-Findung genutzt haben. Ihr Ziel war der Ausbruch über den großen Punkt 2 aus der übergeordneten Zeiteinheit. Daher müssen Sie diese auch zur Zielbestimmung nutzen. Nun kommt es darauf an, in welchem Handelsstil Sie die Position weiterverfolgen möchten. Wollen Sie im künftigen Verlauf den reinen Ausbruch oder den sich fortsetzenden Trend handeln? Die Vielzahl von Möglichkeiten muss hier individuell ausgewertet werden.

Strategie Snapshot

Die Zeiteinheiten

Leider können wir Ihnen nicht die für alle Trader „beste“ Charteinstellung bieten. Jeder Händler muss eigene Relationen aufgrund des persönlichen Handelsstils definieren und diese erproben. In welcher Zeiteinheit Sie auch immer nach Handelssignalen und Einstiegen suchen wollen, der Blick vom langfristigen „Big Picture“ schadet nie. So erkennen Sie die Großwetterlage, also die übergeordnete Laufrichtung und Verfassung des Wertes. Sie können erste Aussagen über wichtige Unterstützungs- und Widerstandszonen treffen. Außerdem können Sie sofort erkennen, ob derzeit die Bullen oder die Bären das Sagen haben oder ob sich der Wert überhaupt zum Handel eignet. Hochvolatile, seitwärts tendierende Aktien sind hier zum Beispiel nicht geeignet.

Aus Bild 3, linker Chart, können wir bereits zwei wichtige Aussagen ableiten. Erstens: Der Markt fällt trendartig innerhalb einer sich ausbildenden bullischen Flagge*. Zweitens: Wir befinden uns mitten in der Progressionsphase, also in der Bewegung in Hauptrichtung des Trends. Ein Long-Investment sollten wir daher kategorisch ausschließen. Auch im Wochenchart (Bild 3, rechter Chart) können wir die Trendzählung vornehmen und unsere Aussagen vertiefen. Wir wissen nun, dass sich der EUR/USD an einer für uns interessanten Stelle befindet und können uns bis an die zu handelnde Zeiteinheit annähern.

Die Idee zur Korrelation der Zeiteinheiten ist folgende: Zoomen Sie sich bis zu der Zeiteinheit, aus der gehandelt werden soll, heran und betrachten Sie dann noch eine jeweils tiefere Zeiteinheit. Die gängigen Zeitebenen sind: 1-Tick-, 1-, 5-, 10- oder 60-Minuten-, 4-Stunden-, 1-Wochen- oder 1-Monats-Charts. 

Bild 3: Analyse verschiedener Zeiteinheiten

Bild 3: Analyse verschiedener Zeiteinheiten

Bild 3 zeigt den Chartverlauf des EUR/USD im Monats-Chart und in der ersten Zoomstufe (Wochen-Chart rechts).


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Nutzen Sie Twin-Charts

Twin-Charts (deutsch: Zwillingscharts) sind in einigen guten Chartprogrammen Chartprogrammen enthalten. Der Trader hat bei dieser Darstellung die Möglichkeit, einen Wert zeitgleich in zwei Chartdarstellungen zu betrachten. So hat man das übergeordnete Chartbild stets verfügbar und eine automatische Erinnerung an dessen Aussagekraft.  Filtern Sie Seitwärtsphasen aus Ihrem Trading Volumenschwache Marktphasen, wie zum Beispiel in der Mittagszeit, können schnell zu irrationalen Bewegungen am Aktienmarkt führen. Filtern Sie diese am besten aus Ihrem Handels-Setup heraus, zum Beispiel mit einem im Chart sichtbaren Indikator. Ausbrüche können hier schnell verebben und in die Gegenrichtung ausschlagen. Auch die erste und die letzte halbe Stunde eines Handelstages können teils hochvolatile und aus Sicht der Markttechnik nicht nachvollziehbare Marktbewegungen mit sich bringen. Zu diesen Zeiten finden die Anfangs- und Schlussauktionen statt, wo große Orders institutioneller Anleger aus der Nacht verarbeitet werden. Zum Handelsende hingegen tätigen die meisten Marktteilnehmer kaum noch rationale Entscheidungen, sondern schließen Positionen oder sichern diese ab. Anfänger sollten diese eventuell den Profis überlassen und aufmerksam von der Seitenlinie aus beobachten. Noch ein Tipp für die „Feierabend-Trader“: Leider gehen die US-Händler gerade zu der Tageszeit in die Mittagspause, in der die Masse europäischer Arbeitnehmer nach Hause kommt und eventuell noch nach einem schnellen Trade sucht. Machen Sie sich dies stets bewusst. Erst von 20:00 bis 22:00 Uhr ist wieder mit volumenstarken Aktivitäten in Übersee zu rechnen. Dies trifft auch auf den Währungshandel zu.

Bild 4: Short-Position im Dow Jones

Bild 4: Short-Position im Dow Jones

Bild 4 zeigt den Chartverlauf des Dow Jones Index (10-Minuten-Chart). Am 15.05.2012 wird eine Short-Position beim Unterschreiten des kleinen Punktes 2 eröffnet (grüne Linie). Zur Bestimmung der Hoch- und Tiefpunkte wurde der MACD (Erklärung siehe Traders Camp Seite 70) zu Hilfe genommen (SL = Stopp-Loss).

Fazit

Mit ein wenig Übung erhalten Sie mit der hier vorgestellten Trading-Strategie die Möglichkeit, professionelle Einstiege mit verbesserten Erfolgsaussichten zu generieren. Eine verringerte Trade-Frequenz mit erhöhter Trefferquote schont Ihre wichtigsten Ressourcen: Geld, Zeit und vor allem Ihre Nerven.

Autor:

Christian Stern

Christian Stern (Jahrgang 1985) studiert Wirtschaft und Journalismus an der Universität der Bundeswehr in München. Mit zehnjähriger Börsenerfahrung publiziert er regelmäßig charttechnische Wertpapieranalysen.

Quelle: TRADERS' Mag.


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