Point & Figure-Charts – Entdecken Sie die Vorteile dieser „exotischen“ Charttechnik (Teil 1)

Pivot Points

Die Point & Figure-Charttechnik hat ihre Ursprünge im späten 19. Jahrhundert. Zwischenzeitlich ist sie jedoch bei vielen Tradern zu Unrecht in Vergessenheit geraten. „Neue“ Chartarten wie Candlestick- oder Renko-Charts sind „in“. Die mit diesem Artikel beginnende Serie soll Ihnen zeigen, dass Point & Figure auch heute noch Vorteile mit sich bringt und so beispielsweise die Basis für ein trendfolgendes Handelssystem darstellen kann. Der erste Teil beschäftigt sich mit den Grundlagen und der Konstruktion der Charts.

Auf den ersten Blick erscheinen Point & Figure (P&F)-Charts ungewöhnlich. Der Kursverlauf wird in Spalten abgetragen, die abwechselnd mit den Buchstaben X und O aufgefüllt sind. Gleichzeitig ist zu bemerken, dass eine explizite Zeitachse fehlt. Auf modernen P&F-Charts finden sich zwar Jahreszahlen, doch dienen diese lediglich der Orientierung. All das wirkt auf den modernen Technischen Analysten ziemlich exotisch. Wenngleich heute Computer die Aufbereitung der Charts übernehmen, ist es vor dem Hintergrund der signifikanten Unterschiede zu anderen Chartarten durchaus sinnvoll, zunächst einen näheren Blick auf die Konstruktion des P&F-Charts zu werfen.


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Konstruktion

Der P&F-Chart besteht aus mehreren Spalten, die abwechselnd mit X und O aufgefüllt sind. Allgemein bezeichnet das X steigende und das O fallende Notierungen. Abhängig von der verwendeten Software können Sie innerhalb der Spalten auf die Zahlen Eins bis Neun sowie die Buchstaben A bis C stoßen. Da P&F-Charts über keine Zeitachse verfügen, dienen Ihnen diese Markierungen zur groben zeitlichen Einordnung der Kursereignisse. Die Zahlen Eins bis Neun stehen dabei für die Monate Januar bis September und die Buchstaben A bis C für Oktober bis Dezember.

Skalierung: Bestimmung der Boxgröße

Das Layout eines P&F-Charts entspricht im Wesentlichen dem eines Karopapiers mit den charakteristischen vertikal und horizontal angeordneten Linien. Jeder Eintrag eines X oder O auf dem Chart erfolgt in einer sogenannten „Box“. Diese umfasst einen bestimmten Betrag, die sogenannte „Boxgröße“, die es abhängig vom Preisniveau des zu analysierenden Marktes sowie der Zeitebene zu definieren gilt. Die Boxgröße entspricht gleichzeitig der Mindestgröße für einen weiteren Eintrag auf dem Chart. Sie können damit auf Basis Ihrer persönlichen Präferenzen selbst Einfluss auf die Sensitivität des Chartbildes nehmen. Vorschläge zur Boxgrößenbestimmung auf Tagescharts finden Sie in Tabelle 1. In diesem Beispiel notiert eine Aktie bei 55 Euro und befindet sich in einem Aufwärtstrend, also in einer X-Spalte. Die Boxgröße beträgt einen Euro. Steigt die Aktie am Folgetag auf 56,99 Euro, wird ausschließlich in der 56 Euro-Box ein weiteres X eingetragen. Für einen Eintrag in der 57 Euro-Box wäre ein Kursanstieg um mindestens einen weiteren Cent notwendig.

Sobald sich ein Trend umkehrt, wird auf dem P&F-Chart eine neue Spalte geöffnet. Da nicht jede kleinste Korrektur eine Trendumkehr bewirkt, gilt es eine Umkehrgröße zu bestimmen, die auch als Reversal-Größe bezeichnet wird. Diese wird in Anzahl der Boxen angegeben. Als Standard gilt das sogenannte „3 Box Reversal“, das bedeutet, dass der Markt mindestens um drei Boxen korrigieren muss, bevor eine neue Spalte geöffnet werden kann. Ebenso wie die Boxgröße können Sie selbstverständlich auch die Reversal- Größe an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen.

In einem weiteren Beispiel notiert eine Aktie bei 80 Euro und befindet sich in einem Aufwärtstrend. Die Boxgröße beträgt einen Euro und die Reversal-Größe drei Boxen. Damit eine Trendumkehr als gegeben gilt und eine O-Spalte geöffnet werden kann, muss die Aktie um mindestens drei (3 Boxen x Boxgröße 1 Euro) auf 77 Euro fallen.

Tabelle 1: Skalierung der Boxgröße für Tagescharts

T1 Skalierung der Boxgröße für Tagescharts

Tabelle 1: Die Boxgröße beschreibt die Mindestgröße für einen weiteren Eintrag eines X oder O am Chart. Die Größe ist je nach Ihren persönlichen Präferenzen zu definieren. Die Tabelle kann dabei als Richtgröße dienen.

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Aktualisierung des Charts

Die Aktualisierung eines P&F-Charts ist folglich sehr einfach. Der Anleger definiert bereits im Vorfeld Kursmarken, bei deren Erreichen ein Eintrag erforderlich wird.

Ein Beispiel soll die Vorgehensweise veranschaulichen:

Ein Aktienindex notiert bei 1200 Punkten. Die Boxgröße beträgt 100 Punkte und die Reversal-Größe drei Boxen. Der Markt befindet sich in einem Aufwärtstrend. Eine Aktualisierung des Charts wird notwendig, wenn

a) sich der Aufwärtstrend fortsetzt und der Index zumindest eine weitere Box, also auf wenigstens auf 1300 Punkte steigt

oder

b) sich der Trend umkehrt und der Index nicht weniger als drei Boxen à 100 Punkte, also mindestens auf 900 Punkte fällt.

Bild 1: Aktualisierung des Charts

Bild 1 Aktualisierung des Charts

Bild 1: Durch die Bestimmung der Box- und Reversal-Größe gestaltet sich die Aktualisierung des Charts einfach. Ein Eintrag erfolgt, falls eine dieser beiden Marken gebrochen wird.

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Handelssignale

Im Allgemeinen wird ein Kaufsignal durch das Überschreiten des Hochs der letzten X-Spalte erzeugt. Ein Verkaufssignal ergibt sich hingegen, wenn das Tief der letzten O-Spalte unterschritten wird. Dies unterstreicht deutlich den trendfolgenden Charakter der P&F-Charttechnik.

Bild 2: P&F-Chart TecDAX mit Handelssignalen und Trendlinien

Bild 2 P&F-Chart TecDAX mit Handelssignalen und Trendlinien

Bild 2 Auf diesem Chart (Boxgröße zehn Punkte, Reversal-Größe drei Boxen) wurden alle in diesem Artikel besprochenen Techniken angewendet. Der Bruch der Bearish Resistance Line in Kombination mit dem Kaufsignal zeigt eine nachhaltige Trendumkehr an.

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Trendlinien

Nachdem Sie die Konstruktion von P&F-Charts kennengelernt haben, ist es nun an der Zeit, auf eine weitere Besonderheit dieser Chartart einzugehen. Eines der mächtigsten Instrumente der Technischen Analyse stellt die Trendlinie dar. Während der Analyst auf traditionellen Charts zwei oder mehr Swing-Punkte miteinander verbindet, verlaufen auf P&F-Charts-Trendlinien generell im Winkel von 45 Grad (in einem Aufwärtstrend) beziehungsweise 135 Grad (in einem Abwärtstrend). Eine Aufwärtstrendlinie beginnt eine Box unter der O-Spalte und wird als Bullish Support Line bezeichnet. Soll ein Aufwärtstrendkanal eingezeichnet werden, ist zusätzlich die Bullish Resistance Line notwendig. Diese Linie beginnt eine Box über der der O-Spalte folgenden X-Spalte. Eine Abwärtstrendlinie beginnt eine Box über der X-Spalte und wird als Bearish Resistance Line bezeichnet. Soll ein Abwärtstrendkanal eingezeichnet werden, ist zusätzlich die Bearish Support Line notwendig. Diese Linie beginnt eine Box unter der der X-Spalte folgenden O-Spalte. Im Allgemeinen kann ein Bruch einer Trendlinie wie bei den traditionellen Chartarten interpretiert werden. Bild 2 fasst die in diesem Artikel besprochen Techniken zusammen.

Chartanalyse für Trader

Fazit

Point & Figure-Charts gehören noch lange nicht zum „alten Eisen“ der Technischen Analyse. Besonders trendfolgend operierende Anleger sollten deren Einsatz in Erwägung ziehen. Durch die Definition der Box- und Reversal-Größe können „unbedeutende“ Kursschwankungen herausgefiltert werden, die als „Rauschen“ bezeichnet werden und oftmals für Fehlsignale verantwortlich sind. Dabei kann der Anleger auf Basis seiner persönlichen Präferenzen individuell bestimmen, wie schnell der Chart auf Kursänderungen reagieren soll. Je nach Einstellung kann es also vorkommen, dass über längere Zeiträume keine Eintragungen vorgenommen werden. Das hat den Vorteil, dass P&F-Charts eindrucksvoller als andere Chartarten Trends sowie Unterstützungs- und Widerstandszonen aufzeigen. Gleichzeitig ergeben sich klare und interpretationsfreie Handelssignale.

Autor

Thomas Kaschel

Thomas Kaschel

Thomas Kaschel verfügt über die Analystendiplome CIIA (Certified International Investment Analyst) und MFTA (Master of Financial Technical Analysis).

Quelle: TRADERS' Mag.


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